Wann ist was gut?

Diese Frage begleitet mich immer. Zu vielen Themen, in Beziehungen zu anderen Menschen, natürlich in meiner Arbeit als Fotograf – überall.

Ich möchte mich der Frage stellen und sie aus der Sicht des fotografischen Dienstleisters beantworten. Erst mal denke ich, als Dienstleister gesprochen, ist es dann gut, wenn der Kunde mit der Arbeit zufrieden ist und sie im Anschluss auch bezahlen möchte. Aber warum klappt das manchmal nicht auf Anhieb? Ich habe oft festgestellt, dass die visuelle Vorstellungskraft des einzelnen sehr unterschiedlich oder im schlimmsten Fall völlig different ist.

Der Auftrag beginnt meist mit einem Briefing, dort hat der Kunde seine Vorstellung fixiert und es ist unsere Aufgabe als Dienstleister, diese umzusetzen, bzw., falls gewünscht, zu ergänzen. Häufig beginnt der Auftrag aber auch mit einem Dialog, einer Ideenfindung. Hier kann der Input des Fotografen höher sein, da er aufgrund seiner visuellen Umsetzungsfähigkeit oder auch seiner Erfahrung, seiner Routine, „Bilder im Kopf“ hat.

Danach beginnt der Prozess und der Fotograf erfüllt seine Arbeit, hält sich an sein Briefing. Der Kunde ist real oder „online“ anwesend und begleitet den Workflow oder sieht erst im Anschluss das Ergebnis.

Als Fotograf stelle ich mir die „Wann ist was gut“ Frage von Anfang an. Bin ich mir sicher, dass das Briefing eine gute fotografische Umsetzung zulässt? Ist die im Briefing fixierte Anmutung visuell machbar, gut machbar? Ist meine fotografische Perspektive eine gute Perspektive? Ist meine Bildkomposition gut? Ist das Licht gut? Läuft alles gut im Zeitplan?

Dann ist die Sache im Kasten und vor 20 Jahren musste noch die Entwicklung abgewartet worden und als Fotograf war man erst mal fertig. Im besten Fall hat das der Kunde dann auch so gesehen und alles war gut.

Heute beginnt ein weiterer Prozess, die Postproduktion. Eigentlich ist die Uhr zurückgestellt, denn nun beginnt ein neuer Dialog oder es gibt dazu ein Briefing. Aufgrund der eigenen Erfahrung weiß man, was wichtig ist oder schlägt einen Stil vor. Aber selbstverständlich lässt die visuelle „Optimierung“ auch ein hohes Maß an unterschiedlicher Vorstellung zu. Auch hier kann der Kunde es völlig anders sehen. Ja, auch eventuell zu Recht.

Letztendlich ist die „Wann ist was gut?“ Frage für mich schwierig zu beantworten. Ich denke nicht schnell, dass meine Arbeit „gut“ ist. Ich war in meiner Assistenzzeit häufig erstaunt, wie erste Ergebnisse umgehend als gut empfunden wurden. Wie wenig Bereitschaft gezeigt wurde, das eben gesehene zu hinterfragen. Andererseits gab es auch Fotografen, die nicht oder schwer zufrieden waren. Einer von denen bin ich geworden. Ich stelle immer wieder die Frage „Ist das jetzt gut?“. Eigentlich ist es immer eine Momentaufnahme. „Wann ist was gut?“, kann morgen bereits anders betrachtet werden. Deswegen beantworte ich die Frage gerne mit „Jetzt ist es gut“. Eigentlich ist das für mich die beste Antwort, denn warum sollte es nicht mehr besser zu machen zu sein. Der Gedanke, es sei etwas nicht mehr zu verbessern, ist für mich befremdlich.

Ja, für jetzt ist es gut.