Analog – Der nicht romantische Rückblick

1984 habe ich meine Ausbildung zum Fotografen begonnen und ungefähr 15 Jahre später die ersten digitalen Auseinandersetzungen geführt. Mittlerweile arbeite ich länger digital, als ich jemals analog gearbeitet habe. Ja, ich verstehe die Verlockung „analog“ sehr wohl, aber es bleibt eben bei der Verlockung, zumindest für mich.

Ich habe sicher eine Million Dias belichtet, davon den Großteil als Auftragsarbeit. Ich kann also von mir behaupten, dass ich ausreichend geübt habe, einen Film zu belichten. Der einzig relevante Unterschied war, man musste sich sicher sein. Nicht nur im technischen Vorgang, nein, auch in der Auseinandersetzung. Wir Fotografen hatten nicht die Option, danach zu „optimieren“. Der Bildaufbau konnte schlecht durch Probieren erreicht werden. Das Bild entstand im Kopf. Vielleicht war das auch der relevante Unterschied zu den meisten Amateuren. Wir Profis waren einigermaßen sicher in der Abwicklung. Das Equipment war nicht einfach genug, um ein paar mal im Jahr reproduzierbare Ergebnisse zu erzeugen.

Zum Beispiel haben wir uns mit Polaroids beschäftigt. Natürlich hatten diese einen Charme, aber verursachten eben auch eine unfassbare Menge Müll, sie waren unglaublich teuer und die chemischen Reste auf Kleidung und Haut waren auch nicht gerade charmant. Ja und da war das noch mit den Filmen… Professionell war man dann, wenn man genügend Filme einer Emulsion gekauft hat. Das hatte bei mir den Effekt, dass ich schnell (alle 2-3 Monate) 5000,00 DM für Filme hingelegt habe. Diese mussten dann aber auch noch ordentlich gelagert werden. Da vor allem im Sommer sehr schnell eine farbliche Änderung des Materials auftrat. Entwickelt war natürlich auch noch nicht. E6. Chemie ansetzen, Farbstiche im Sommer ertragen und Gegenfiltern. Altchemie lagern und dann monatlich hunderte von Liter entsorgen lassen. Von den wirklichen Katastrophen, wie falschen Belichtungen, fehlenden Schärfen und oder einfach einem Staubfussel mitten im Motiv, möchte ich gar nicht reden.

Abgesehen von der Auseinandersetzung gab es natürlich auch weitere positive Momente. Es war viel mehr Zeit für Pausen. Polapausen, Entwicklungspausen usw.

In den letzten Jahren bin ich über den Begriff Fehl- oder Falschfarben gestolpert und wie toll diese seien. Ja, ich verstehe den Charme, aber es war nicht charmant, ohne die Alternative „digital“ zu haben.

Und wer einmal Bleichfix auf der neuen Jeans verewigt hat, wird mich verstehen.